ZMP-Aufstiegsfortbildung – Karrieresprungbrett für die Prophylaxe

Fortbildung: „Präsenzstunden am Patienten im Fortbildungsinstitut, unter Aufsicht der Referenten – und nicht in der eigenen Praxis – sind mit die wichtigsten Kriterien“

Quelle: dzw, Die ZahnarztWoche, Ausgabe 16/18 vom 18.04.2018

Dr. Sinje Trippe-Frey und Christine Beverburg begleiten die ZMP-Kursreihe der Haranni Academie für Heilberufe GmbH (HAC, Herne) als klinische Leitung und Dentalhygienikerin. Die Aufstiegsfortbildung zur Zahnmedizinischen Prophylaxe-Assistentin gibt es an der HAC seit 2004. Weit mehr als 400 Teilnehmerinnen haben sie mittlerweile erfolgreich absolviert.

Was ist Ziel einer ZMP-Aufstiegsfortbildung, und wie lange dauert sie?

Christine Beverburg: Die Fortbildung teilt sich in fünf Bausteine über neun Monate auf und ist berufsbegleitend. In dieser Zeit verbringt man ca. 410 Stunden an der Haranni Academie. Im Durchschnitt eine Woche pro Monat. Baustein für Baustein rückt dann das Ziel näher.

Ziel dieser Fortbildung ist, dass die Teilnehmerinnen die Qualifikation erlangen, unter Verantwortung des Zahnarztes sämtliche Prophylaxe-Maßnahmen, die Fissurenversiegelung sowie die PAR-Vorbehandlung (Hygienephase I) eigenständig und adäquat durchzuführen.

Intensive, praktische Übungen am Patienten und das Vermitteln von fundiertem Fachwissen ermöglichen den Teilnehmern dieser Kursreihe anschließend einen sicheren und souveränen Umgang mit Patienten jeder Altersklasse.

Die ZMP-Aufstiegsfortbildung der Haranni Academie orientiert sich an der bundesweit gültigen Musterfortbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer. Wie ist die Fortbildung aufgebaut?

Dr. Sinje Trippe-Frey: Wir beginnen mit zwei theoretischen Bausteinen, die jeweils mit einer schriftlichen Klausur abgefragt werden. Ab Baustein 3 kommen schon praktische Bereiche hinzu. Die Schülerinnen erlernen die Provisorien und Schienenherstellung im zahntechnischen Bereich und fangen schon an, am Phantomkopf einen Patienten zu behandeln. In Baustein 4 wird sowohl schriftlich als auch praktisch abgefragt, ob die Teilnehmerin in der Lage ist, die Patientenbehandlung durchzuführen. Baustein 5 gliedert sich in praktische und theoretische Bereiche; unser besonderes Merkmal ist hier die gute Prüfungsvorbereitung, die sehr individuell gestaltet werden kann.

Beverburg: Zunächst behandeln sich alle gegenseitig, und ab Baustein 5 werden „richtige Patienten“ in der Academie behandelt. Dies sind zum Teil Patienten, die von der Academie gestellt werden, und Patienten, die jede Teilnehmerin mitbringen darf. Bei Teilnehmerinnen, die einen sehr langen Anfahrtsweg haben, werden alle Patienten gestellt. Zum Abschluss eines jeden Bausteins wird eine Prüfung durchgeführt. Mit Bestehen dieser Prüfung hat man die Berechtigung, am nächsten Baustein teilzunehmen.

Wie ist das Verhältnis der theoretischen und praktischen Teile zueinander?

Beverburg: Die ersten beiden Bausteine sind rein theoretisch. Im Baustein 3 ist das Verhältnis 50:50, und in Baustein 4 und 5 überwiegt die praktische Arbeit.

Was ist das Besondere an der ZMP Haranni Academie?

Beverburg: Alle DH, ZMP und Frau Dr. Trippe-Frey arbeiten berufsbegleitend in der ZMP-Ausbildung. Das bedeutet, dass die Fortbildung sehr praxisnah ist. Außerdem haben wir mit Frau Prof. Dr. Arweiler natürlich eine sehr hochwertige wissenschaftliche Leitung, die auch selber in der Kursreihe Parodontologie und Mikrobiologie unterrichtet. Das ist meines Wissens einzigartig in einer ZMP-Fortbildung. Wir haben Kooperationen mit Industriepartnern, das heißt, dass die zukünftige ZMP schon über wichtige Kontakte verfügt, die sie bei ihrer späteren Arbeit in einer Prophylaxe-Abteilung sicherlich gut nutzen kann. Unsere Teilnehmer werden als „ganze“ Menschen wahrgenommen, nicht nur als zahlende Kunden.

Gibt es auch individuelle Begleitung?

Trippe-Frey: Wir bieten den Teilnehmerinnenschon in Baustein 1 individuelle Fördermöglichkeiten an, bei nicht bestandener Klausur kann natürlich Klausureinsicht genommen und besprochen werden, woran noch gearbeitet werden muss. Wir betreuen unsere Schülerinnen von Anfang bis Ende der Kursreihe, sind bei Lernschwierigkeiten, bei Patientenschwierigkeiten oder einfach bei der Stressbewältigung an der Seite unserer Teilnehmerinnen. Wir sind immer Ansprechpartner, auch über die Kurszeiten hinaus. Ich denke, das ist ein großer Unterschied zur Kammer-Fortbildung.

Beverburg: Wir möchten den ZMP auf Augenhöhe begegnen. Dies heißt, inklusive aller Stärken und Schwächen. Sie können mich jederzeit auch persönlich bei Problemen per Mail kontaktieren. Sie erhalten die volle persönliche Unterstützung während der gesamten Fortbildung. Zum ersten Mal haben wir auch eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, um schnell reagieren zu können.

In Deutschland ist ZMP keine geschützte bundeseinheitliche Berufsbezeichnung. Wie stehen Sie dazu?

Beverburg: Ehrlich gesagt, empfinde ich das als Katastrophe. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass eine ZMP überall in Deutschland nach einheitlichem Niveau fortgebildet wird. Es gibt erhebliche qualitative Unterschiede. Das ist für Außenstehende häufig nur schwer erkennbar. Die Präsenzstunden am Patienten im Fortbildungsinstitut, unter Aufsicht der Referenten (und nicht in der eigenen Praxis), sind meiner Meinung nach mit die wichtigsten Kriterien.

Wie stehen die Chancen für Absolventinnen einer ZMP-Fortbildung, in ihren Praxen weiterzukommen?

Beverburg: Sehr gut. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Ich höre immer wieder von verschiedenen Praxen, dass sie dringend eine ZMP suchen. Der Fachkräftemangel in den Zahnarztpraxen ist bereits jetzt sehr groß.
Die Teilnehmerinnen machen in der Regel einen großen Schritt in ihrer fachlichen und persönlichen Weiterentwickelung während ihrer Fortbildung. Wir hören immer wieder auf der Abschlussfeier, dass die Teilnehmerinnen ein tolles positives Feedback von Patienten („Das ist die beste Zahnreinigung, die ich bisher in meinem Leben erhalten habe“) und auch von ihren Chefs bekommen. Sie werden auch im Team als qualifizierte Ansprechpartner geschätzt. Dies ist natürlich im Praxisalltag sehr motivierend.
Jede prophylaxeorientierte Praxis weiß eine solche, fachlich kompetente Mitarbeiterin zu schätzen. Und viele Chefs ermöglichen den erfolgreichen ZMPs anschließend noch die DH-Aufstiegsfortbildung.

Trippe-Frey: Das kann ich nur bestätigen. Heute ist es sehr schwierig, qualifiziertes Personal zu finden. Eine ZMP, die an der Haranni Academie ausgebildet wurde, hat gelernt, selbstständig, gewissenhaft und qualitätsorientiert zu arbeiten. Diese Mitarbeiter werden immer gesucht!